zu viel im Kopf

weil "Denkarium" schon belegt war

Montagskolumne: Antifeministische Scheiße des Monats

Die großartige Robin hat mal wieder einen langen und zu recht wütenden Post verfasst.
Man denkt ja immer, in Zeiten von Aufgabenteilung und „Elternzeit für Vater und Mutter“ hätten endlich mal alle verstanden, dass Kinderbetreuung und -erziehung eine Sachen von beiden Elternteilen ist. Aber wenn ich lese, was Robin da rausgesucht hat, sind wir davon noch verdammt weit entfernt. Aber gut, ein Arbeitskollege meinte letztens ja auch, dass ein Kind nur seine Mutter brauchen würde (erklärt, warum er seines vernachlässigt), also warum bin ich eigentlich überrascht?

Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich noch ein Kleinkind war. In den ersten Jahren danach zahlte mein Vater unregelmäßig und meldete sich noch seltener, und als ich ca. 10 Jahre alt war, hörte alles ganz auf. Aber auch die Zeit davor hatte es außer einem Kinobesuch pro Jahr und einem Geschenk zu Weihnachten und zum Geburtstag auch schon nichts gegeben. Keine Papa-Wochenenden, keine netten Telefonate, keine Elternabende. Wäre er gestorben, hätte ich es wahrscheinlich monatelang nicht mitbekommen.
Der Grund war ganz offensichtlich, dass er keinen Bock auf Kinder hatte. Er war jung, er wollte Spaß. Ich passte da nicht rein. Aber was war SEINE Ausrede? Meine Mutter würde den Kontakt nicht wollen. Ähm… nein?! Meine Mutter hat niemals schlecht von ihm geredet, nie vor mir über ihn geschimpft, ihn nie an der Tür abgewiesen, wenn er spontan vorbeikam (was so ungefähr dreimal passiert ist). Ihr einziges „Verbrechen“: Als er einmal fragte, ob er spontan am Wochenende etwas mit mir unternehmen könnte, sagte sie: „Dieses Wochenende geht nicht, wir sind auf dem Geburtstag von Kittys Oma.“ Wie kann sie es wagen, nicht zu springen und alles abzusagen, wenn Herrn von und zu ganz plötzlich einfällt, dass da noch eine Miniaturversion von ihm herumläuft? Jedenfalls war ab diesem Tag ganz Schicht im Schacht. Aber eigentlich war es das schon direkt nach der Scheidung. Denn zum Termin beim Jugendamt zwecks Sorgerechtsklärung ist er gar nicht erst erschienen.
Aber „gegen einen wirklich desinteressierten Vater kann man wenig ausrichten“, nicht wahr?

robins urban life stories

Hallo und Willkommen zu meiner dritten Montagskolumne, die am 3. Montag des Monats für die, treffend betitelt, „Antifeministische Scheiße des Monats“ reserviert war. War? Dazu mehr am Schluss.

Antifeministen sind, so tough sie sich auch gerne geben, Witzfiguren. Damit lag für mich der Gedanke nahe, die lächerlichsten Ergüsse dieser Sorte Mensch zu sammeln und mich darüber genüsslich lustig zu machen. Damit hätte diese antifeministische Scheiße wenigstens noch den Sinn, Leute zum Lachen zu bringen, die im Kopf halbwegs normal geblieben sind. Schadenfreude ist was schönes.

So sah mein Plan aus. Doch das heutige Thema ist leider gar nicht komisch. Es ist sogar das unkomischste, was mir seit langer Zeit vor die Linse gekommen ist.

Es war mal wieder einer dieser stinkfaulen Artikel auf dem antifeministischen Evo-Blog „Alles Evolution“, der lediglich aus einem Zitat und ein, zwei hingerotzten Sätzen besteht mit dem Titel „Wie umgehen mit dem Gutwettervater?“ Thema ist eine…

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Die Hochzeit meiner nicht-mehr-besten Freundin

Letzten Samstag hat C. geheiratet. Das weiß ich aber erst seit heute, und auch nur, weil meine Mutter mich darauf hingewiesen hat, dass C. es bei Facebook gepostet hat.

C. und ich kennen uns seit über 20 Jahren und waren fast von Anfang an beste Freundinnen und fühlten uns fast wie Schwestern. Was alle ungewöhnlich fanden, da wir aus komplett verschiedenen Welten kamen. C., das Kind glücklich verheirateter Eltern, beide mit hohen Posten im öffentlichen Dienst, einem hübschen Eigenheim usw. Und daneben ich, das Kind einer alleinerziehenden Angestellten mit ständigen Geldsorgen in einer mittelmäßigen Mietswohnung. Und trotzdem war all das nie ein Thema zwischen uns. Ich war zwar manchmal neidisch darauf, dass C. all die Dinge bekam, für die wir kein Geld hatten, aber dafür beneidete sich mich darum, dass ich dauernd sturmfrei hatte und meine Mutter mir so gut wie keine Vorschriften machte. Und natürlich krachte es auch mal, aber insgesamt war immer alles in Balance. Wir haben super viel Zeit miteinander verbracht, haben gelacht, geweint, sind in Urlaub gefahren und hatten absolut keine Geheimnisse voreinander.

Und nun hat sie geheiratet und ich erfahre es um Ecken über Facebook (übrigens genau wie von ihrer Verlobung letztes Jahr). Und irgendwie bin ich deswegen weder beleidigt noch enttäuscht, denn ich habe nichts anderes erwartet. Im Gegenteil, ich bin sogar erleichtert, dass ich mir so keine Ausrede ausdenken musste, warum ich nicht hingehen kann.
C. und ich haben uns nicht gestritten. Und auch sonst ist nichts passiert, was unsere Freundschaft mit einem Schlag zerstört hat. Wir haben uns einfach ganz klassisch auseinandergelebt. Ich habe nie damit gerechnet, dass das ausgerechnet uns, den Unzertrennlichen passieren würde, und doch ist es passiert. Erst wurden die Treffen immer seltener, dann die Mails und irgendwann gratuliert man sich nur noch zum Geburtstag. Sie warf mir vor, ich würde mich zu selten melden. Ich warf ihr dasselbe vor. Wir beide gelobten Besserung, aber es hielt nie mehr als ein paar Tage. Das liegt einfach daran, dass das einzige, was wir noch gemeinsam haben, unsere (unglaublich tolle) Vergangenheit ist. Wir haben keine gemeinsamen Hobbys, keine gemeinsamen Freunde, nicht mal mehr einen gemeinsamen Wohnort. Jedes Mal, wenn wir uns trafen (was am Ende nur noch 1-2 Mal pro Jahr vorkam), redeten wir über die guten alten Zeiten. Wie Rentner beim Klassentreffen. Nicht, dass wir nicht viel zu erzählen gehabt hätten. Aber wenn der andere die Umstände nicht kennt, die betroffenen Personen ebenso wenig und ihn dann auch noch das Thema generell nur mäßig interessiert, verliert man irgendwann die Lust, etwas zu erzählen und greift dann eben doch auf „weißt du noch damals“ zurück. Unsere Treffen waren immer nett und lustig, aber sie liefen auch jedes Mal gleich ab und wirklich etwas gegeben haben sie mir nicht. Und eigentlich weiß ich schon seit ein paar Jahren, dass es einfach vorbei ist. Und ich bin mir sicher, dass sie es auch weiß. Wir haben es nie ausgesprochen, aber das hier ist nun der beste Beweis. Sie wollte mich bei der Hochzeit nicht dabei haben und ich wollte sowieso nicht hingehen. Ich meine, ich kenne nicht mal den Bräutigam persönlich, geschweige denn die anderen Gäste, also was soll ich da? Eben.

C., du wirst das hier niemals lesen, aber ich möchte dir für alle die tollen Jahre danken, die wir zusammen hatten. Ich werde sie niemals vergessen. Und du wirst niemals zu denen gehören, bei denen ich wegsehe und hoffe, dass sie mich nicht erkennen, wenn ich ihnen auf der Straße begegne. Ich bin jederzeit bereit, einen Kaffee mit dir zu trinken, wenn wir uns spontan über den Weg laufen. Nur mehr hat einfach keinen Zweck. Und ich möchte nicht, dass unsere Freundschaft, die keine mehr ist, ein Zwang, ein Kraftakt wird. Sonst haben wir am Ende nicht mal mehr die Kraft, uns an die schönen Dinge zu erinnern.
Ich hab dich lieb.

PS: Meine Mutter konnte es natürlich nicht lassen, ein „Warum findest DU keinen netten Mann?“ zu ergänzen -_- Vielen Dank auch. Gut, dass mich die Sache generell kalt lässt, sonst wäre das mal richtig fett Salz in meinen Wunden gewesen.
Weiß auch gar nicht, wie die überhaupt darauf kommt, sowas zu sagen. Ist ja nicht so, als würde ich keinen abbekommen. Ich bin in den letzten 15 Jahren nur selten Single gewesen und es waren ein paar nette Jungs und Männer dabei, die schon was von Heiraten geredet haben. Nur eben keiner, bei dem es bei mir BÄMM gemacht hat. Vielleicht wird es das ja bei dem, den ich seit März an meiner Seite habe. Der, von dem du, liebe Mama, noch gar nichts weißt. Und das wird auch erstmal so bleiben. Und vielleicht bist du ja irgendwann diejenige, die über Facebook von MEINER Hochzeit erfährt 😛

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